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Globale Studie unter Finanzführungskräften: Wie Finanzvorstände eine Unternehmenskultur etablieren, die datengestützte Entscheidungen fördert

 

Diese von Steve Dunne verfasste Fallstudie wurde erstmals auf Englisch im Workday-Blog veröffentlicht. Unsere lokalen Leser finden im Folgenden eine deutsche Version des Beitrags.

David Buttress ist Venture-Partner von 83North und ehemaliger CEO von Just Eat. Nach einer erfolgreichen Karriere bei Coca-Cola kam er 2006 zu Just Eat, als das damals noch kleine Start-up seine Geschäftstätigkeit in Großbritannien aufnahm. Er leitete das Unternehmen von 2013 bis 2017 als CEO. 2014 wurde Buttress im Rahmen der Investor Allstars Awards als „Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet und schaffte es auf die vom London Evening Standard veröffentlichte Liste der 1.000 einflussreichsten Menschen in London.

Auf der Workday Elevate London referierte Buttress über die Entwicklung von Just Eat von einem kleinen Betrieb in einem Keller in Dänemark zu einem an der London Stock Exchange gelisteten Unternehmen mit einem Marktwert von 1,5 Milliarden GBP. In einem persönlichen Gespräch sprach er mit mir über die Expansion von Just Eat in 14 Länder sowie darüber, wie wichtig Daten und Unternehmenskultur für den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens sind.

Inzwischen hat Just Eat weltweit mehr als 26 Millionen Kunden und beschäftigt über 3.600 Mitarbeiter. Können Sie etwas zu den Anfängen des Unternehmens sagen?

Es gab viele familiengeführte Takeaway-Restaurants, die niemand unterstützen wollte. Diese unabhängigen Betriebe hatten schwer zu kämpfen. Ihr wichtigstes Werbemittel waren Flyer, die sie potenziellen Kunden unter der Tür durchschoben. Digitale Kanäle standen ihnen nicht zur Verfügung.

Wir sahen die Chance, in dieser stark fragmentierten gastronomischen Landschaft eine Plattform aufzubauen, mit der sich diese Herausforderung bewältigen ließ. Es war abzusehen, dass der digitale Wandel auch das Konsumverhalten verändern würde. Das galt für Fast Food ebenso wie für jedes andere Produkt. Just Eat ging 2006 in Großbritannien an den Start. Zwei Jahre später hatten wir bereits den Meilenstein von fünf Millionen Bestellungen erreicht.

Sie waren bei Coca-Cola tätig, als Sie Just Eat-Gründer Jesper Buch trafen. Dieses Treffen war wegweisend für Ihren weiteren Werdegang, wie wir wissen.

Wie alle guten Beziehungen nahm auch diese ihren Anfang in einer Bar. Wir wurden Freunde und Jesper schlug vor, das Unternehmen in Großbritannien zusammen aufzubauen. Damals war das Geschäft noch auf Dänemark beschränkt, wo es gerade zum ersten Mal die Gewinnschwelle erreicht hatte. Ich sagte, er sei verrückt, wenn er glaubte, ich würde meinen Job aufgeben und in einem Keller gemeinsam mit ihm ein Start-up aufbauen.

Doch nur wenige Monate später reichte ich meine Kündigung bei Coca-Cola ein, weil mich das Geschäftsmodell absolut überzeugt hatte. Restaurants wie auch Kunden würden von dem großartigen Konzept profitieren und wenn wir es nicht wagten, würde es jemand anderes tun. Meinen ersten Kunden in Großbritannien gewann ich, indem ich an die Tür des Takeaway bei mir um die Ecke im Londoner Osten klopfte.

Die Anfänge waren sicher eine Herausforderung. Wie schaffen Sie es, andere mit diesem Unternehmergeist anzustecken?

Die Zeiten waren mitunter hart, aber Leidenschaft und Enthusiasmus sind für jede Unternehmenskultur von entscheidender Bedeutung. Energie und eine positive Einstellung sind Grundvoraussetzungen. Doch darüber hinaus wollten wir von Anfang an eine Kultur aufbauen, die alle Mitarbeiter inspiriert. Als Führungskraft muss man Entschlossenheit demonstrieren, sonst erreicht man sein Ziel vielleicht nie.

Die vier Hauptpfeiler für den Aufbau der Unternehmenskultur von Just Eat waren Energie, Verständnis, Motivation und Transparenz. Es geht darum, andere durch ein energetisches, motivierendes Auftreten zu inspirieren, mithilfe von Empathie eine von Vielfalt geprägte Belegschaft zu managen und schließlich mit allen Mitarbeitern transparent zu kommunizieren.

Ein Beispiel: Im Zuge des Börsengangs tat sich für uns als offenes und transparentes Unternehmen das Problem auf, dass wir einerseits geltende Vorschriften bezüglich Insiderhandel beachten mussten, unsere Mitarbeiter aber andererseits über die Unternehmensleistung und ihre eigene Performance auf dem Laufenden halten wollten. Indem wir wichtige Performance-Kennzahlen mit einem Farbsystem codierten, statt konkrete Zahlen herauszugeben, konnten wir dieses Problem erfolgreich lösen. Das war ein maßgeblicher Schritt, um die von uns geschaffene Kultur der Transparenz aufrechtzuerhalten.

Daten sind fraglos ein wichtiger Bestandteil der Geschäftstätigkeit von Just Eat. Welche Entwicklungen sind in diesem Bereich zu beobachten und inwiefern verändert sich die Rolle der Daten durch das Aufkommen neuer Technologien?

Unser Ernährungsbewusstsein wandelt sich. In Großbritannien steigt der Verkauf von gesunden Lebensmitteln. Das Problem heute ist, dass die Leute sich weniger bewegen und weniger Sport treiben. Das sind Fakten, die mir von Daten geliefert werden. Just Eat wertet monatlich Daten von mehr als 10 Millionen Kunden aus. Anhand dieser Community lassen sich personalisierte Aussagen zu bevorzugten Gerichten oder der Bestellhistorie treffen und – was noch interessanter ist – verblüffend genaue demografische Prognosen erstellen.

Die Fähigkeit, die präferierten Bestellzeiten in einem bestimmten Bezirk oder die Menge der benötigten Lebensmittel vorherzusagen, kann überaus nützlich für die Geschäftsplanung sein. Künstliche Intelligenz wird die Aussagekraft datengestützter Prognosen revolutionieren. Darum investieren Unternehmen wie Workday intensiv in diesen Bereich.

Neben anderen Investorenprojekten arbeiten Sie aktuell mit 83North zusammen. Doch welche Entwicklungen erwarten Sie in Zukunft bei Just Eat – insbesondere in technologischer Hinsicht?

Just Eat ist heute ein Hightech-Unternehmen. Das bedeutet, dass wir ständig nach neuen Möglichkeiten suchen, Innovationen zu schaffen und den Kunden ein faszinierendes Erlebnis zu bieten. Ein Blick auf die Branchenlandschaft verrät, dass Kunden von Dienstleistern wie Just Eat einen zunehmend schnelleren, intelligenteren und intuitiveren Service erwarten. Indem Just Eat den Prozess möglichst komfortabel, kundenorientiert und zuverlässig gestaltet, gelingt es dem Unternehmen, mit den veränderten Erwartungen Schritt zu halten.

Ich könnte mir vorstellen, das Angebot zu erweitern und die Plattform mit Digital Media Playern und Gaming-Elementen zu ergänzen. Außerdem sind die Kunden zunehmend an Informationen über Inhaltsstoffe und die Herkunft der Lebensmittel interessiert. Das ist meiner Ansicht nach ein Bereich, den Just Eat mithilfe von Technologie in Angriff nehmen kann.