Von der Zuschauerrolle in die Sandbox
Werfen wir einen realistischen Blick auf die aktuelle Arbeitswelt. Heutzutage stehen Führungskräfte unter einem beispiellosen Druck. Sie stehen vertikal zwischen strategischen Leadership-Vorgaben, während sie horizontal in zunehmend komplexen Matrixstrukturen die Fäden zusammenhalten. Wie neue Zahlen aus der Branche belegen, wächst die Burnout-Gefahr bei Managern derzeit deutlich rasanter als bei Fachkräften ohne Personalverantwortung. Verlangen wir von ihnen, als Helden ihrer Teams aufzutreten, so liegt es in unserer fundamentalen Verantwortung, ihnen genau die Community und Lösungen an die Hand zu geben, die sie für ihren Erfolg benötigen.
Auf unserem Weg durch die Ära der KI erlangt die Rolle des People Leader eine bislang ungekannte Tragweite. Ich erwähne immer wieder: KI ist gleichermaßen eine menschliche wie eine technologische Transformation.
Unternehmen, die das kommende Jahrzehnt maßgeblich prägen wollen, müssen KI als wertvollen Partner betrachten – und keineswegs als Ersatz für menschliches Talent. Für unsere Führungskräfte bedeutet dies einen echten Paradigmenwechsel. Wir können es uns nicht leisten, tatenlos zuzusehen und abzuwarten, bis die Technikexperten alles ausgetüftelt haben. Wir müssen es selbst in der Sandbox ausprobieren – experimentieren, durch kontinuierliches Learning die Schwächen dieser Lösungen verstehen und unseren Teams genau diese Neugierde vorleben.
Strategisch betrachtet macht uns die KI ein Geschenk, das in der modernen Arbeitswelt immer kostbarer wird: Zeit. Erstaunliche 85 % der Mitarbeitenden sparen durch die Nutzung von KI wöchentlich zwischen einer und sieben Stunden bei der Erledigung ihrer Aufgaben. Und Zeit ist nun einmal unsere einzige wirklich endliche Ressource. Die kognitive Überlastung unserer Teams lässt sich auflösen, wenn wir KI nutzen, um Routineaufgaben mit geringem Mehrwert automatisch zu erledigen. Was wir jedoch als Führungskräfte mit dieser neu geschaffenen Kapazität anstellen, wird zum Lackmustest unserer Leadership-Philosophie. Dabei stehen uns zwei sehr verschiedene Wege offen:
1. Wir setzen KI letztlich vor allem dazu ein, den Druck auf das Personal zu erhöhen und aus jeder Arbeitsstunde noch mehr Leistung herauszuholen. Auch wenn das im Spreadsheet des kommenden Quartals großartig aussehen mag – auf Dauer brennt es die Menschen aus und ruiniert jegliches Vertrauen.
2. Oder wir reinvestieren die eingesparte Zeit, um den Zusammenhalt in unseren Teams zu stärken, unseren Kunden aufmerksam zuzuhören und Raum für frische Ideen zu schaffen. Dieser Weg nutzt Technologie, um das Arbeitsumfeld gesünder und kreativer zu gestalten, anstatt lediglich verstaubte Prozesse noch schneller abzuspielen.
Viele Unternehmen sind genau an diesem Punkt gescheitert. Weiterbildungsdefizite bestehen fort: 66 % der Führungskräfte sehen im Aufbau neuer Kompetenzen die wichtigste Aufgabe, doch nur 37 % der aktivsten KI-Nutzer erhalten die nötige Unterstützung. Dabei sind es gerade diese Mitarbeitenden, die durch das Korrigieren von KI-Fehlern am stärksten zusätzlich belastet werden. Das macht die klare Diskrepanz zwischen den Absichten des Leaderships und der tatsächlichen Mitarbeitererfahrung sichtbar.
Bei Workday haben wir uns fest vorgenommen, wieder in unsere Mitarbeitenden zu investieren. Wir glauben fest daran, dass KI dazu dienen sollte, menschliches Potenzial zu entfalten und nicht lediglich zu optimieren.