Das sagen die Daten
Die Daten des Human Connection Workplace Index zur Gen Z sind sehr aufschlussreich. Es werden nicht einfach alte Klischees über „die Jugend und ihre Smartphones“ bedient, sondern es wird aufgezeigt, wie stark sich der Arbeitsalltag der jüngsten Kohorte von jenem ihrer älteren Kollegen unterscheidet.
1. Vertrauen und Freundschaften bleiben auf der Strecke
„Mir kommt es so vor, als würde heutzutage jeder nur noch sein eigenes Ding durchziehen“, meint Aquino. „Einen echten Austausch mit meinen Arbeitskollegen beim Brainstorming gibt es kaum noch, außer es ist absolut notwendig. Doch wenn wir uns zusammensetzen, hat jeder irgendwelche KI-generierten Ideen im Gepäck.“
Die Gen Z führt uns die verborgenen Kosten einer raschen KI-Einführung vor Augen. Wenn man sich öfter mit einem Chatbot als mit Menschen unterhält, geht das Zwischenmenschliche verloren. Wenn sofort verfügbare Ergebnisse die konstruktive Reibung der Zusammenarbeit verdrängen, bleibt kein Raum mehr für echte Diskussionen. Und wenn Teams Probleme nicht mehr gemeinsam angehen, verlieren sie auch das Vertrauen zueinander. Unsere Befragung zeigt, wie groß dieses Problem wirklich ist:
- Die Wahrscheinlichkeit, sich am Arbeitsplatz einsam zu fühlen, ist bei der Gen Z achtmal höher als bei der Gen X.
- Die Gen Z fühlt sich zwölfmal häufiger als die Gen X komplett von ihren Kollegen isoliert.
- Bei der Gen Z ist die Wahrscheinlichkeit, den eigenen Kollegen zu misstrauen, 16-mal so hoch wie bei der Gen X.
Dabei handelt es sich keineswegs um weiche Kennzahlen. Vertrauen und Freundschaft bilden den Kitt von Hochleistungsteams. Sie sind der Grund, warum Mitarbeitende um Hilfe bitten, schlechte Ideen hinterfragen oder auch mal ein hartes Quartal durchhalten. Wenn dieser Kitt bröckelt, leidet zwangsläufig auch die Performance.
2. KI verschärft das Problem zusätzlich
Gen Z ist die erste Generation, die uns klipp und klar und in großem Stil vor Augen führt: Die Technologie, die für mehr Produktivität sorgt, führt gleichzeitig zu mehr Isolation.
- Jeder Fünfte aus der Gen Z fühlt sich einsamer, seitdem KI-Lösungen am Arbeitsplatz Einzug halten.
- Über 20 % der Gen Z finden, dass KI-Lösungen ihre persönlichen Beziehungen zu den Kollegen beeinträchtigt haben.
„Ich habe mich [früher] mit jemandem zusammengesetzt, der mir eine Aufgabe in Ruhe erklärt, seine Gedankengänge geteilt und mir gezeigt hat, wie er es selbst gelernt hat“, erzählt Aquino. „Heute sehe ich hingegen, dass jüngere Mitarbeitende einfach auf eigene Faust KI nutzen, wenn sie nicht weiterwissen.“
Karthik Karunanithi, Solution Architect bei IBM, sieht das ganz ähnlich. Als Manager mehrerer Nachwuchsingenieure erlebt er die Haltung der Gen Z zum Thema KI aus erster Hand. „Den Smalltalk hat die KI nicht verdrängt. Sie hat vielmehr ‚dumme Fragen‘ eliminiert“, meint er. „Dabei waren genau diese dummen Fragen so wichtig.“
Karunanithi betont, dass vermeintlich „dumme Fragen“ oft der Auslöser für Unterhaltungen über größere Projekte und umfassendere Ziele waren. „Heute liefert die KI die Antwort sofort – und das Gespräch findet erst gar nicht statt“, erklärt er.
Karunanithi vermutet sogar, dass eine durch KI ausgelöste Unsicherheit zu dieser zunehmenden Isolation am Arbeitsplatz beiträgt. „Es macht sich das Gefühl breit: Wenn die KI etwas beantworten kann, und man stattdessen einen Menschen fragt, war man einfach nicht clever genug, selbst darauf zu kommen.“