Die Illusion der statischen Rolle
Schon vor der generativen KI passte die Arbeitsrealität immer weniger in die klar abgegrenzten Schubladen, in die wir sie gesteckt hatten. Mitarbeitende übernahmen Koordinations-, Übersetzungs- und Integrationsaufgaben, die in der Stellenausschreibung keine Erwähnung fanden.
Eine aktuelle Studie von Workday unterstreicht diese Realität:
- 82 % der Mitarbeitenden weltweit verbringen viel Zeit damit, Arbeit zwischen Teams oder Unternehmenslösungen zu koordinieren und zu vermitteln.
- 81 % verbringen viel Zeit damit, Informationen zwischen Systemen oder Lösungen hin- und herzuschieben.
- 40 % der Beschäftigten geben an, dass ihr Unternehmen die Arbeit überwiegend um die Kernlösungen des Unternehmens herum organisiert, statt direkt in diesen Systemen.
Betrachtet man diese Zahlen zusammen, ergibt sich ein anderes Bild der Arbeit. Die formelle Rollenbezeichnung ist vielleicht „Finanzanalyst“, „Operations Manager“ oder „Kommunikationsleiter“. Die tatsächliche Rolle gleicht eher einer „menschlichen Middleware“ – einer Person, die einen großen Teil ihrer Woche damit zubringt, Brücken zwischen Systemen, Teams und Daten zu schlagen, die nie für eine Interaktion vorgesehen waren.
KI direkt in diese Umgebung zu integrieren, ohne Rollen neu zu strukturieren, trägt zu einer Verschärfung des Problems bei. Eine Gallup-Studie zeichnet ein klares Bild: Nur 46 % der US-Mitarbeitenden stimmen voll zu, dass sie wissen, was bei der Arbeit von ihnen erwartet wird. Das ist ein Rückgang um 15 Punkte gegenüber dem Höchststand von 61 % im Jahr 2015.
„Wenn Sie KI auf Altsysteme aufsetzen, spiegelt sie diese veralteten Systeme nur wider, anstatt sie zu verändern“, sagt Vibhas Ratanjee, Global Leader für die Entwicklung von Führungskompetenzen bei Gallup. „Ein wichtiges Relikt unveränderter Systeme ist die Stellenbeschreibung. In den meisten Fällen bleibt sie vollkommen statisch – seit Jahren hat niemand mehr einen Blick darauf geworfen.“
Der Rhythmus einer jährlichen Jobüberprüfung war sinnvoll, als sich die Arbeit nur langsam veränderte. Doch er reicht nicht mehr aus, wenn bereits ein einziges Modell-Update einen Arbeitsablauf automatisieren kann, der ein Team früher einen halben Tag beschäftigt hielt. Folglich haben Unternehmen Mühe, sich anzupassen: Fast 9 von 10 Unternehmen berichten, dass weniger als die Hälfte ihrer Rollen aktualisiert wurden, um KI-bezogene Kompetenzen einzuschließen.