Verwechslung von fachlicher Kompetenz und Identitätsentwicklung
Wenn Erstmanager straucheln, gehen Führungskräfte oft davon aus, dass es ihnen einfach an Durchhaltevermögen, Managementkompetenzen oder Selbstvertrauen fehlt. Die Standardreaktion der Unternehmen? Sie verordnen das Lesen von Management-Grundlagen (die oft nur aus Checklisten bestehen), geben oberflächliche Ermutigungen oder organisieren einen einmaligen Workshop zu emotionaler Intelligenz (hilfreich, doch nicht die Lösung).
Dieser Ansatz verfehlt das Ziel, da er fachliche Kompetenzen mit der psychologischen Entwicklung der Identität verwechselt.
Jeder herausfordernde Übergang erschüttert naturgemäß das Selbstvertrauen; das ist evolutionäre Psychologie und kein Persönlichkeitsmangel. Wenn unterrepräsentierte Talente Zweifel äußern, schreiben Unternehmen ihnen allzu oft vor, wie sie sein sollten (nämlich „durchsetzungsfähiger“), anstatt zu zeigen, was sie verbessern können – so wird normale kontextbedingte Reibung in internalisierte Scham verwandelt.
Der Wechsel von einer individuellen „Macher“-Identität hin zu Führungskräften, die Kontext schaffen und Ergebnisse ermöglichen, beraubt sie zudem genau jener täglichen Ergebnisse, in denen Top-Talente vor dem Aufstieg auf die nächste Stufe der Karriere ihren Wert sahen.