Raus aus dem Versteck
Im August hatten noch 62 Prozent der Menschen in Deutschland, die KI nutzen, ihren Einsatz bei einer Arbeitsaufgabe schon einmal bewusst verschwiegen, deutlich mehr als im globalen Schnitt (49 Prozent). Im September sind es nur noch 39 Prozent. Das ist ein Minus von 23 Prozentpunkten und der stärkste Rückgang unter allen sechs untersuchten Ländern. Deutschland liegt damit nun sogar leicht unter dem globalen Wert von 41 Prozent.
Woran liegt das? Die Umfrage gibt darauf keine direkte Antwort. Wir haben trotzdem eine Vermutung: Wer weiß, was erlaubt ist, muss weniger verstecken. Klarere Regeln, mehr Gespräche und die Bedingungen, unter denen in Deutschland gearbeitet wird, dürften dabei zusammenspielen. Der Rahmen ist jedenfalls gesetzt: Seit Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 des EU AI Act Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu fördern. Und in vielen Unternehmen legen betriebliche Regeln fest, welcher KI-Einsatz erlaubt ist, wo es einen Betriebsrat gibt auch per Betriebsvereinbarung.
Ein weiterer Befund passt ins Bild: 58 Prozent der Befragten haben im vergangenen Monat mit ihrer Führungskraft darüber gesprochen, wie KI ihre Rolle verändert (global: 56 Prozent). Investitionen in KI-Schulungen erklären den Rückgang dagegen nicht: Der Anteil derer, die eine KI-Schulung ihres Arbeitgebers erhalten haben, ist von 88 auf 82 Prozent gesunken, bleibt aber über dem globalen Wert. Es könnte also weniger an Wissensvermittlung liegen als an Gesprächen: Wer offen redet, muss weniger verstecken.
Was jetzt zählt
Offenheit braucht klare Regeln. Unternehmen sollten verständlich festlegen, wann KI-Einsatz offengelegt werden muss, und an konkreten Beispielen zeigen, welche Anwendungen erwünscht sind. Und wenn Führungskräfte selbst sagen, wofür sie KI nutzen, fällt es auch ihren Teams leichter.
Bessere Erfahrungen, verhaltenes Vertrauen
KI macht den Arbeitsalltag für immer mehr Menschen in Deutschland besser, nur dem Arbeitgeber trauen sie deshalb noch nicht mehr zu.
Mehr Menschen sagen, dass KI ihren Arbeitsalltag verbessert hat, als dass sie ihn verschlechtert hat. Dieser Vorsprung der Positiven ist auf 34 Punkte gewachsen, 9 mehr als im August. Weltweit liegt er bei 43 Punkten, aber der Abstand schrumpft.
Beim Vertrauen sieht das Bild anders aus. 40 Prozent der Befragten vertrauen darauf, dass ihr Unternehmen KI so einsetzt, dass auch die Beschäftigten profitieren und nicht nur die Organisation. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber August, aber noch immer weniger als im globalen Schnitt (45 Prozent). Sechs von zehn sind sich da also nicht sicher oder glauben es nicht.
Das ist die Pointe dieses Monats: Die Menschen machen gute Erfahrungen mit der Technologie, aber daraus wird nicht automatisch Vertrauen in die Organisation, die sie einführt. Vertrauen in KI und Vertrauen in den Arbeitgeber sind zwei verschiedene Dinge, und das zweite muss man sich erarbeiten.
Was jetzt zählt
Wer Vertrauen will, muss offen sagen, wofür das Unternehmen KI einsetzt und wofür nicht, und Betriebsräte sowie Beschäftigte früh in Entscheidungen einbeziehen. Am meisten überzeugt dabei etwas ganz Konkretes, nämlich zu zeigen, welche Arbeit KI den Menschen abnimmt.
Weitere AI@Work-Ergebnisse für Deutschland
Diese Kennzahlen erheben wir jeden Monat. Die nächsten Ergebnisse erscheinen im November.